elektrische Analoge

2x Werkansicht hinten und Deckel von innen (Kaliber 25-82):

 

In der Ausführung als "ermi-electric" mit Seriennummer 100834 und... 

 

...als "UMF electric 25" mit innen geprägter Deckelbeschriftung: "HAGEMYER TRADING  CO. (NEW YORK) INC. MADE IN EAST GERMANY". Das rote im Deckel ist ein Dichtring.

Eine damals technisch sehr moderne, weil rein elektrisch betriebene Armbanduhr brachte die UMF 1962 als Kaliber 25-10 auf den Markt. Dieses Uhrwerk wurde wegen seiner Defektanfälligkeit laufend verbessert und als Kaliber 25-82, Kaliber 25-12, Kaliber 26-02 und schließlich als Kaliber 26-03 bezeichnet. Letzteres markiert den Endpunkt der Entwicklung dieser Armbanduhren und erschien als eine Art Sportausführung mit Datumsanzeige, drehbarer Lünette und in wasserdichtem Gehäuse. Hiervon ist eine Variante mit zusätzlichem Drücker bei der "2" hergestellt worden - dieser Drücker diente der Zifferblattbeleuchtung. Sollten Sie eine solche Uhr besitzen, dann haben Sie eine Rarität am Handgelenk! Im Export liefen sämtliche Ruhla-Electric-Modelle sehr zahlreich auch unter den Namen "Champion", "Lafayette", "Chronelex", "Newport",  "ERMI", "WORLDTIME", "Unilectric", "Services" und "Predial". Charakteristisch  ist jeweils der liegende Blitz, meist mit dem Schriftzug "electric" in verschiedener Schreibform.

Markantestes Merkmal, unabhängig von Gehäuseform und Modell-bezeichnung ist allerdings die Krone bei der "4". Nach meinem Informationsstand lief die Produktion dieser Uhren bis 1975. Die empfohlenen Verkaufspreise lagen zwischen 155,00 (Kaliber 26-02) und 190,00 Mark (Kaliber 25-12). Diese Uhren sind, wohl wegen ihres elektromechanischen Werkes in nostalgischer Hülle (dieses Design nennt man heute "Vintage"), ein in sich geschlossenes Sammelgebiet und haben inzwischen zahlreiche Liebhaber gefunden. Ich stelle sie hier vor, weil mit ihnen in der DDR die "Elektrifizierung am Armband" begann.

Oben abgebildet ist der Urvater aller ruhla-electrics, das zwischen 1962 und 1966 hergestellte Kaliber 25-82 mit einer markanten Ziffernblattgestaltung. Das Werk verfügt über 17 Steine und eine Stoßsicherung. Auf dem Boden steht: "EDELSTAHLBODEN WASSERGESCHÜTZT PLAQUE 20 µm" und die Seriennummer 16279. Werkansicht und Deckelinnenseite siehe ganz oben.

 

Hier die Uhr Kaliber 25-82, deren Werk und Deckel oben als zweites dargestellt sind. Die Beschriftung der Deckelinnenseite gibt mir noch Rätsel auf, denn über diese Firma "Hagemyer" in New York ist mir bisher nichts bekannt. es wird sich wohl um den Importeur gehandelt haben. Man verkaufte die Uhren jedoch als Produkt aus Ruhla in "East Germany", wie auch auf dem Zifferblatt zu lesen ist. Die Deckelbeschriftung außen weicht in ihrer Gestaltung vom sonst üblichen  ab. Sie ist in englischer Sprache verfasst, entspricht aber inhaltlich dem oben vorgestellten Muster. Aufgrund der kleinen Seriennummer 09690 ist von einem frühen Modell auszugehen.

 

Ebenfalls ein Kaliber 25, aber als "WORLDTIME" Exportuhr aus der Sammlung von Uwe Mewes.

 

 

...und hier als Modell "Champion", mit bestem Dank an Uwe Mewes für die Bilder! Alle diese Uhren benötigen Batterien des Typs AG10.


Werkansicht hinten und Deckel von innen (Kaliber 26-02):

 

Für das Kaliber 26 werden andere Batterien benötigt als im Kaliber 25! Die Stromspender des Typs AG13 sind deutlich höher, weshalb im Deckel eine Mulde eingefügt worden ist. Siehe hierzu den Größenvergleich in der Rubrik "Zubehör".

 

Eine auch äußerlich gut sichtbare Fortentwicklung ist mit dem Kaliber 26-02 erfolgt. Diese Uhren sind an der Mulde im Deckel erkennbar. Sie verfügen über 7 Steine und wurden zwischen 1969 und 1975 produziert. (Fotos: Uwe Mewes)

 

Dem klassischen Design der 1960er Jahre entspricht diese Ausführung der 26-02. Schlicht, ohne Ziffern und mit dem ruhla-Logo sowie dem electric-Blitz erscheint das Zifferblatt. Am Boden ist zu lesen: "STAINLESS STEEL BACK WATERPROTECTED 20 MICRONS GOLDPLATED" und die Seriennummer 01872.

 

Bei diesem Exemplar handelt es sich um eine seltene Exportversion des Kalibers 26-02 aus den frühen 1970er Jahren. Trotz Glasboden und freier Sicht auf das Uhrwerk ist hier viel zu lesen:  Auf dem Glas steht außer dem Namen "LAFAYETTE" noch "ULTRAHIGH FREQUENCY electric" mit dem charakteristischen Blitz darunter. Ganz unten am Rand dann "WEST-GERMANY". Der Rückseite sind folgende Informationen zu entnehmen: "BASE METAL WATERRESISTANT R. GSELL & Co. INC. WEST GERMANY". Der Block des Uhrwerkes ist außerdem mit "R GSELL + CO WEST GERMANY UNADJUSTED SEVEN (7) JEWELS" und dem Hinweis "Kal 26" versehen. Die Firma R. Gsell in New York war der Importeur für den amerikanischen Markt. Die Uhr ist, allein schon wegen ihres Werkes natürlich Made in GDR und als ruhla-electric-Uhr anzusprechen. Beachten Sie auch den als Blitz geformten Sekundenzeiger!


Werk von hinten und Deckel mit Stoßsicherung (Kaliber 26-03):

Auf dem Werk ist folgendes eingestanzt: "R. GSELL & CO WEST GERMANY UNADJUSTED 7 JEWELS", was auf Exportabsicht in das westliche Ausland schließen lässt. Die Uhr selbst ist unten abgebildet. 

 

Zwischen 1970 und 1975 wurde die letzte Serie "ruhla-electric"-Armbanduhren hergestellt. Das Kaliber 26-03 verfügt über 7 Steine und Datumsanzeige. Die hier vorgestellte Variante hat dank ihrer drehbaren Lünette (Weltzeit) und der farblichen Gestaltung eine sportliche Optik. Im Boden (mit Batteriemulde!) ist eingeprägt: "TESTED WATERRESISTANT TO 5 ATM TOP CHROMIUM PLATED OVER BASE METAL STAINLESS STEEL BACK". Eine Seriennummer gibt es hier nicht. 


Etwa 1972 versuchte sich der Prototypenbau im Ruhla-Werk mit einem sogenannten "Armbandwecker" dem Kundenkreis zuzuwenden, der Bedarf an einer mechanischen (!) Armbanduhr mit lautem, elektronischem (!) Weckgeräusch am Handgelenk hatte. Leider ging die Akustik zu Lasten der Optik, was das Zifferblatt sehr verkleinerte. Dieses quasi elektromechanische Gerät wurde mangels Nachfrage nur 250 mal gefertigt und auch nicht weiterentwickelt. Es erinnert in seiner Gestaltung an den bekannten "Sumatic"-Wecker und kommt auch mit "Glashütte"-Logo vor. Die offizielle Kaliberbezeichnung lautete 1-09-29. Von Werner Heinrich erhielt ich folgende Information: "Die Nullserie von 50 Stück wurde in Ruhla gefertigt, danach erfolgte die Produktion in Glashütte, wo nicht mehr als 200 Uhren das Werk verlassen haben."

In einem feinen Gehäuse mit gebürsteter Oberfläche wirkt diese außergewöhnliche Uhr gleichzeitig edel und trotzdem wie aus einem Sience-Fiction-Film der 1970er Jahre entnommen. Die Rückansicht lässt ahnen, wie hoch das Werk baut. Der Dank für die Fotos geht an Jörg Ziegler! Unter www.armbandwecker.at/ruhla.htm können Sie sich das originale Weckgeräusch anhören.

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